In meiner Laufbahn als Mama dachte ich schon unzählige male, endgültig an meine Grenzen gestossen zu sein sie. Ich war überzeugt: ich. kann. nicht. mehr. Die erste Schwangerschaft und die Müdigkeit die mich in den ersten Wochen überkam. Müder geht es nicht mehr, eindeutig. Ha! Die ersten Wehen - das kann ich nicht aushalten, schlimmer geht es nicht mehr. Ha! Die richtigen Wehen, und damit meine ich die richtig richtigen Wehen. Grenze! Eindeutig! Ha! Mama sein, müde sein, Sorgen fühlen, offene Brustwarzen, Milchstau, Brustentzündung, Baby bekommt Zähne, Baby wird das erste Mal krank, schläft nicht, Baby wird zum Kleinkind, lautes Kleinkind, Kleinkind schreiend am Boden des Supermarkts, Mama wird krank. Jedes mal war ich überzeugt: das hier, das ist meine Grenze und ich hab kein Mini-Häufchen Kraft mehr über. Nein, auf keinen Fall. Doch ich hatte sie. Ich hatte sie für eine weitere Portion Schwangerschafts-Müdigkeit, ich hatte sie für heftige Wehen die mit einem Notkaiserschnitt endeten, ich hatte sie für die nächste Überdosis Hormone, ich hatte sie für zwei schreiende Kinder am Boden des Supermarkts, ich hatte sie in Ehekrisenzeiten und ich hatte sie sogar, als ich um das Leben meiner Mama bangte. Meine Grenze? Ich witterte sie in jeder schwierigen Lebenslage verdächtig nahe. Aber ich stand noch, überschritten habe ich sie also nie.

Als ich mich in der schönen Weihnachtszeit eines Tages mit Kugelbauch und gebrochen Fuß auf dem Sofa wieder fand, war für mich klar: Grenze überschritten, eindeutig. Und heute, lange acht Wochen später, sitze ich hier an einem Text, den ich eigentlich mit "#myfuckingbrokenlegdiary das Ende" betiteln wollte, es aber nicht kann, da es gelogen wäre. Und so sehr ich mich über diese Tatsache ärgern könnte, so sehr ich das Schicksal in den vergangenen Wochen verfluchte, wurde mir in dieser Krisen-Zeit eine Sache klar: die eigenen Grenzen sind kein fest geschnürtes Seil, sie sind nicht mit einem großen Stop-Schild versehen. Nein, viel eher sind die eigenen Grenzen ein dickes Gummiband. Und tatsächlich bekommt man von dem Schicksal nur jene Erfahrungen in die Hände gelegt, die man auch tragen kann. Die manchmal eben so schwer sind, dass man befürchtet, das Gummiband würde
jeden Moment reißen. Aber es reißt nicht.

Wir fallen und stehen wieder auf. Auch wenn dieses Wieder-Aufstehen oft mit Schmerzen verbunden ist - egal ob im Fuß, im Herzen, im Rücken oder sonst wo - Fakt ist: wir stehen. Und nehmen die nächste Herausforderung an.

In diesem Sinne: auf all die großen und kleinen Sorgen, die uns das Leben bereit hält. Auch wenn sie manchmal noch so schwer erscheinen, unsere Grenzen werden sie nie erreichen. Denn die, ja die, die sind unerreichbar.

Kommentare

  1. Dankeschön für die schönen Worte, die mir Mut machen. Alles Gute für Dich, Deine Schwangerschaft und Deine Familie.
    Liebe Grüße Daniela

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  2. Dankeschön für die schönen Worte, die mir Mut machen. Alles Gute für Dich, Deine Schwangerschaft und Deine Familie.
    Liebe Grüße Daniela

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  3. Liebe Anna,
    danke für diese Worte, denen nicht mehr viel hinzuzufügen ist, außer:
    Du bist ein toller Mensch!

    Es lebe das Gummiband!

    Kristina

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  4. Wow, liebe Anna, toller Artikel! Mir gab ein Satz meiner Cranio Sakral Dame Mut, die meinte:Du schaffst all das, sonst wäre es nicht zu dir gekommen. Und es ist immer so, dass wir ja daran reifen und Erkenntnisse gewinnen. Liebe Grüsse!

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  5. Toll geschrieben! Ich denk immer an das Lied "Ich schaff das schon" von Rolf Zuckowski. Ich schaff das schon, ich brauch dazu vielleicht ne Menge Kraft, doch ich hab immerhin schon ganz was anderes geschafft...

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  6. Wow, toll geschrieben!
    Gott sei dank sind wir Stehaufmännchen und wir haben aich so viele schöne Dinge im Leben die uns all die Schwierigkeiten aushalten lassen, weiterhin ganz viel Stehvermögen und gute Besserung
    Liebe Grüße Alexandra

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  7. Hallo liebe Anna!

    Welche Olympus Systemkamera hast du da genau? Ich will mir auch eine zulegen, aber weiß noch nicht genau welche ;)

    Alles Liebe,
    Lisa

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    1. Hallo liebe Lisa, das ist die Olympus E-M10II. Ich bin seeeeeehr zufrieden und kann sie dir nur empfehlen :) Herzliche Grüße!

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