Es gibt Frauen, die mag man einfach, ohne dass man sie kennt. Eines der großen Social-Media-Phänomenen und laut meinem Mann ein ziemlicher "Mädchenkram" (er wird wohl nie ein würdiger #instagramhusband). 

Ja, für mich ist Jessie Weiß eine von diesen Frauen. Und das obwohl ich genau genommen keinen Mode-Blog wirklich lese, komme ich nicht umhin, regelmäßig auf Jessies Blogazine Journelles zu stöbern und durch den dazu gehörigen Instagram-Feed zu scrollen. Jessie weiß eben, wie man es richtig macht - nicht umsonst ist sie Deutschlands erfolgreichste Mode-Bloggerin.

Aber was für mich viel wichtiger ist - sie ist eine mit den richtigen Werten und: eine mit Herz. Und dieses spüre ich als ihre Leserin noch viel mehr, seitdem sie Mama ist. 7 Monate ist es nun schon her, als Jessie den kleinen Levi zur Welt brachte. Was sich für sie verändert hat, was sie für ihren ersten Sohn empfindet und noch viel mehr, verriet sie mir in einem ganz persönlichen Interview: 


Liebe Jessi, schön dass du da bist und dir Zeit nimmst, ein paar Fragen für mich und meine Leser zu beantworten. Und da sind wir schon beim Stichwort „Zeit“ - inwiefern hat sich dieses Thema für dich verändert, seitdem du Mama bist? Zeit für dich, Zeit für den Job, Zeit für die Familie und Freunde?

Hallo liebe Anna, vielen Dank für die schöne Anfrage! Genau wie meine Antworten ein wenig auf sich haben warten lassen, so lässt sich auch mein Alltag beschreiben: Ich jongliere derzeit jeden Tag aufs Neue, bespreche mit meinem Mann den neuen Tag und unsere Aufteilung am Vorabend. Wir sind beide selbstständig und können uns 50:50 aufteilen. Drei Wochen nach der Geburt habe ich aber auch wieder Vollzeit angefangen zu arbeiten, mich zu Beginn etwas überworfen mit Terminen und To Do’s. Erst jetzt, Levi ist nun 7 Monate alt, kann ich behaupten, dass wir uns gut eingegroovt haben und ich kaum mehr ein schlechtes Gewissen habe - entweder meinem Team oder meinem Sohn gegenüber. Wenn er schläft, so wie jetzt, arbeite ich, gehe aber auch halbtags ins Büro, erledige den Rest von unterwegs, am Handy, am Wochenende und am späten Abend. Mein Mann und ich nehmen uns am Wochenende aber auch immer Zeit für unsere Freunde, verreisen in diesem Jahr viel (zwar immer job related, aber immerhin!) und verbringen auch so jeden freien Moment zusammen mit unserem Sohn. Und können es uns ohne ihn gar nicht mehr vorstellen.

In unserer heutigen Zeit, ist es mittlerweile eher Normalzustand, dass Frauen sehr früh nach der Geburt wieder arbeiten, anstatt ne Weile „nur“ Mama zu sein. Tendenz steigend. Du bist selbstständig, da ist es natürlich nur sehr schwer, mal ganz auszusteigen. Aber angenommen, du hättest ein normales Angestellten-Verhältnis - würdest du es missen, zu arbeiten? Meinst du, eine arbeitende Mama ist ausgeglichener, als jene Mama, die sich im Kopf voll und ganz den Kindern widmet?

Darüber habe ich schon oft nachgedacht, weil ich mir nach der Geburt einfach keine längere Pause leisten konnte und diese manchmal gern gehabt hätte. Zumindest gedanklich mal frei zu sein, nicht über das Geschäft nachzudenken. Das wäre zwar schön gewesen, aber ehrlicherweise kann ich die Füße auch gar nicht still halten und hätte mich sicher schnell gelangweilt – ich bin gar nicht der Typ, um „nur“ Mama zu sein. Das ist wohl auch der Grund, wieso ich gern selbstständig bin. Die Freiheit, mir alles selbst einteilen zu können, wird mir und Levi in den kommenden Jahren sicher sehr zu Gute kommen. Das ist einer Festanstellung bestimmt härter. Aber beim Thema Ausgeglichenheit möchte und kann ich mir gar kein Urteil erlauben, das ist doch eher eine Typ-Frage.

Wenn ich so zurück denke an die Zeit, bevor ich mein 1. Kind bekam, muss ich manchmal lächeln und stelle fest, dass ich durch das Mama-sein nochmal ein großes Stück gereift bin, obwohl ich damals fix dachte, schon fest im Leben zu stehen. Kannst du felsenfest behaupten, der selbe Mensch geblieben zu sein, seitdem du ein Kind bekommen hast?

Ich fühle mich durchaus etwas reifer, dabei bin ich gerade mal sieben Monate im Mama-Business ;-) Ich genieße das Mutter-Sein sehr und freue mich tierisch auf alles, was noch so kommt. Besonders „reifen" werden mein Mann und ich voraussichtlich beim Thema Erziehung, denn das ist eine große Aufgabe, über die wir uns viele Gedanken machen - wie wir wohl sein werden und herausfordernde Situationen händeln? Man sieht die Welt in jedem Fall aus einer neuen Perspektive; Nichtigkeiten ärgern mich nicht mehr und der Fokus ist einfach klarer aufs Wesentliche gerichtet. Das ist ja schon eine Art Reifeprozess.



Bevor ich zu einem noch etwas ernsterem Thema komme, noch ne ganz oberflächliche Frage - einfach weil es mich persönlich einfach unheimlich interessiert: du als Modebloggerin - was hat sich in deinem Kleiderschrank seit der Geburt von Levi verändert?


Also zunächst mal ist das ja nicht oberflächlich :-)! Sondern berührt ja jede Frau auf eine Art und Weise an; der Körper verändert sich, macht, was er will - und Mode hilft durchaus dabei, sich gut zu fühlen, wieder zu sich selbst zu finden. Ich habe die Schwangerschaft im Großen und Ganzen sehr genossen und kaum neue Kleider kaufen müssen, außerdem habe ich all das Wasser schnell durchs Stillen verloren, meinen Stil nicht verändern müssen und einfach wieder alles getragen. Ich bin da ohnehin recht unkompliziert, ich ziehe einfach immer Tank Tops unter alles, kann dann einfach "hochziehen“ ;) und easy stillen ohne blank zu ziehen. Jeans und Turnschuhe ziehe ich eh gern an und habe keine Berührungsängste, dass mal was dreckig wird. Der Fleckenstift ist immer griffbereit!


In einem sehr berührenden Artikel auf Journelles, erzähltest du, welch holprigen Weg du gehen musstest, bis du endlich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten durftest. Rückblickend auf diese anstrengende, Hormon-geladene Zeit: was hast du daraus mitgenommen?

Es ist ein Wahnsinn, was Hormone mit einem machen können. Ich war zwischenzeitlich wie ausgewechselt, ein anderer Mensch. Daher ist es so wichtig, immer positiv zu denken! Mein Mann hat immer zu mir gesagt: Das wird in jedem Fall klappen. Egal, wie oft er mir die Spritze in den Bauch rammen musste (ich habe es erst am Ende selber hinbekommen), es war nie eine Option, dass es nicht klappt – nur eben ein Umweg, den wir gehen müssen.

Und zu guter letzt: Ein Blick auf deinen Sohn - was fühlst du, in drei Worten beschrieben?

Drei Worte reichen nicht aus! Levi hat ganz große, wache Augen mit unendlich langen klimpernden Wimpern und strahlt einfach jeden an – immer und überall. Er ist witzig, lacht sehr viel und hat nie schlechte Laune. Er tanzt mit seinen Füßen den halben Tag lang Riverdance, ist aber auch gern mal gemütlich unterwegs und fummelt stundenlang an den Waschzetteln aller Spielzeuge. Morgens begrüßt er uns mit einem Strahlen auf dem Gesicht. Mein Mann und ich sagen jeden einzelnen Tag: Was haben wir nur für ein Glück?!


Übrigens: für Baby-Themen aus den Bereichen Mode, Interior und Beauty hat Jessie Weiß mit mini Journelles einen eigenen Platz geschaffen. Hier teilt sie mit ihren Lesern alles rund um Baby-Ausstattung, Kleidung und Kindermöbel. 


Fotos: mini Journelles


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